{"id":458,"date":"2023-07-27T21:29:55","date_gmt":"2023-07-27T19:29:55","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.effa-segeln.de\/?p=458"},"modified":"2023-07-29T21:47:38","modified_gmt":"2023-07-29T19:47:38","slug":"toernbericht-sommer-1-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/effa-segeln.de\/?p=458","title":{"rendered":"2023 T\u00f6rnbericht Sommer 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-normal-font-size\"><em>T\u00f6rnbericht des Sommert\u00f6rns 1 der Exodus vom 22.06.2023 bis zum 09.07.2023<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen des 22. Juni starten wir mit sieben Jugendlichen aus Kleve und Umgebung und zwei Betreuungspersonen per Bus vom EFFA Kleve Richtung Oostende, Belgien. Dort treffen wir auf den dritten Betreuer, welcher schon am Vortag per Zug angereist ist.Die Crew f\u00fcr den ersten Sommert\u00f6rn 2023 ist somit komplett, und am n\u00e4chsten Morgen geht es mit unserem Traditionssegler EXODUS der Evangelischen Kirchengemeinde Kleve los Richtung Calais in Frankreich. Dort angekommen, bleibt Zeit f\u00fcr einen Stadtbesuch mit Betrachtung des historischen Rathauses, Pause im Stadtpark sowie die St\u00e4rkung mit hei\u00dfem Kakao und den Einkauf letzter Lebensmittel f\u00fcr den H\u00f6hepunkt der Freizeit am n\u00e4chsten Tag: Die \u00dcberquerung des \u00c4rmelkanals und die Fahrt entlang der englischen K\u00fcste bis nach Gosport\/Portsmouth UK. Str\u00f6mung und Wetter sind g\u00fcnstig, dennoch ist die EXODUS fast 24 Stunden unterwegs. In Abstimmung mit der Crew wird die komplette Besatzung in 3 Personen Wachen f\u00fcr die Nacht eingeteilt, jeweils 2 Stunden Wachen f\u00fcr jeden Teilnehmer und 4 Stunden Wachen f\u00fcr die beiden erfahrenen Skipper. Eine Wache besteht aus einem Ausguck mit dem Scheinwerfer im Bug, dem Ruderg\u00e4nger sowie dem Skipper als Navigator. Es gilt, gro\u00dfen Frachtschiffen fr\u00fchzeitig auszuweichen und schlecht sichtbare Fischernetze zu erkennen, den Kurs zu halten und sich mit hei\u00dfem Tee zu st\u00e4rken. Unter klarem Sternenhimmel f\u00e4hrt die Exodus stetig gegen Westen. Im Morgengrauen erreichen wir sicher und wohlbehalten Gosport. Nach einem kurzen Nickerchen und einem st\u00e4rkenden Fr\u00fchst\u00fcck am Vormittag sind nur noch die Grenzformalit\u00e4ten zu kl\u00e4ren (gr\u00fcndlich aber freundlich) bevor es auf geht an Land in eine der bedeutendsten Hafenst\u00e4dte der Seefahrernation Gro\u00dfbritannien. Zwei Tage verbringen wir hier, besichtigen die HMS Alliance (U-Boot aus 1947), die HMS Victory aus dem Jahre 1778 und die HMS Warrior (1860), lauschen den Erz\u00e4hlungen von schauspielernden (HMS Warrior) und echten Crewmitgliedern (HMS Alliance) und Restaurateuren (HMS Victory), erkunden die Stadt und probieren echtes britisches \u201eFish and Chips\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag des 26 Juni verlassen wir mit der Exodus Gosport und erkunden die Flussl\u00e4ufe und Buchten rund um \u201eThe Solent\u201c und die \u201eIsle of Wight\u201c. Um Land und Leute besser kennen zu lernen, teilen wir uns die n\u00e4chsten zwei Tage in zwei Gruppen auf, die eine Gruppe segelt jeweils einen Tag auf der Exodus, w\u00e4hrend die andere Gruppe an Land zu dem vereinbarten Treffpunkt wandert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach zwei Tagen vor Anker mit dem Meer als einziger Badem\u00f6glichkeit freuen wir uns alle \u00fcber die warmen Duschen der Marina im Beaulieu River, bevor wir am 29. Juni wieder Abschied vom englischen Festland nehmen, mit Kurs auf die britischen Kanalinseln. Wir erreichen Alderney um 01:00 Uhr morgens britischer Zeit, machen aber nur 8 Stunden Pause, bevor wir zur deutlich gr\u00f6\u00dferen Nachbarinsel Guernsey \u00fcbersetzen. F\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Tage ist starker Wind gemeldet, die wollen wir im belebteren St. Peter Port verbringen. Die \u00dcberfahrt ist kurz, aber ruppig; unter Motor und gegen Wind und Wellen k\u00e4mpft sich die EXODUS durch die Engstellen zwischen den Inseln. F\u00fcr einige von uns bedeutet dies 2 Stunden Kampf mit der Seekrankheit, f\u00fcr andere eine kostenlose Achterbahnfahrt und den Anblick einer ganzen Schule Schweinswale (oder waren es doch Delphine?), die unsere EXODUS neugierig umkreisen. Auf Guernsey besichtigen wir einen restaurierten Funk-Bunker und ein unterirdisches Lazarett aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Abend des 3. Juli verlassen wir St. Peter Port um in einer Bucht zu ankern, am Strand zu grillen und den Abend bis tief in die Nacht am Lagerfeuer zu verbringen, bei Gespr\u00e4chen \u00fcber Gott und die Welt und den interessanten Geruch des Holzes f\u00fcr unser Lagerfeuer. Zirbe? Zeder? Wir wissen es bis heute nicht.<br>Am n\u00e4chsten Morgen nehmen wir bei bestem Segelwetter Kurs auf Jersey, der Wind hat auf 4-5Bft nachgelassen, die Wellen haben \u201enur\u201c noch 3m H\u00f6he. Mit bis zu 7 Knoten und vollen Segeln durch diese H\u00fcgellandschaft brausen: ein Traum f\u00fcr jeden Salzwassersegler. Wir erreichen Jersey am Abend mit der Absicht noch schnell Schiffsdiesel zu tanken und uns einen gem\u00fctlichen Abend zu machen, nur um festzustellen, dass alle drei Schiffstankstellen der Insel au\u00dfer Betrieb sind. Bis zum Morgen des 5. Juli bleiben wir in Jersey, besuchen das lokale Schifffahrtsmuseum, das \u201eFort Regent\u201c und den Hafenmeister, der uns versichert: Doch, die eine Schiffstankstelle w\u00fcrde am Abend f\u00fcr eine Stunde offen sein. Wir planen in Absprache mit der ganzen Crew die letzten Tage unseres T\u00f6rns und stellen fest, dass uns Gezeiten und Wetter eine ganz besondere Gelegenheit bieten: Der Besuch des Mt. St. Michel mit dem Schiff! Gesagt getan; am Abend des 5. Juli werfen wir die Leinen los. Doch wir sind noch keine 2 Meter weit gekommen, da schl\u00e4gt das Schicksal zu! Der Motor stockt, etwas knallt! Ein Seil hat sich in der Schiffsschraube verfangen. Nach 4 Stunden harter Arbeit f\u00fcr manche und harter Geduldsprobe f\u00fcr andere ist der Schaden behoben, es kann weitergehen. Jedoch, die Tankstelle ist nun wieder geschlossen, der Wind ist schwach und die Gezeiten sind nicht mehr g\u00fcnstig. Aus einer 10 Stunden Fahrt, verteilt auf zwei Tage, ist so eine fast zwanzigst\u00fcndige Fahrt ohne Pause geworden. Wir beraten erneut mit der Crew, die W\u00fcnsche nach Gem\u00fctlichkeit und Abenteuer halten sich die Waage, am Ende entscheidet der M\u00fcnzwurf, dass wir es wagen werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Langsam schaukelt die Exodus durch die Nacht, an Backbord verblassen die Lichter von Jersey und vor dem Bug geht der Mond auf, dessen Licht sich zuerst r\u00f6tlich, dann silbern im Wasser spiegelt, eine Stra\u00dfe aus Mondschein. Der Motor bleibt aus, um Diesel zu sparen. Bei bis zu drei Knoten Gegenstrom machen wir kaum Fahrt, Gefahr von gro\u00dfen Berufsschiffen oder Fischernetzen besteht nicht, die Wachen sind freiwillig und werden von den Crewmitgliedern bestritten, die sich f\u00fcr die Nachtfahrt ausgesprochen hatten. Mancher wird fast die komplette Nacht durch segeln. Im Morgengrauen wechselt die Str\u00f6mung, wir haben nun Strom von hinten und kommen besser voran. Gegen 8:00 Uhr durchqueren wir das Riff bei \u201eGrande Ile\u201c und sind somit wieder offiziell in franz\u00f6sischen Gew\u00e4ssern, um 13 Uhr fallen wir ca. eine Seemeile vor dem Mt. St. Michel trocken. Wir erreichen den Berg zu Fu\u00df \u00fcber das Watt. Ein Skipper und ein Crewmitglied, die den Mt. St. Michel schon gesehen haben, bleiben an Bord zur\u00fcck, um uns am Abend bei Hochwasser mit dem Schiff abzuholen. Wir reihen uns in die Besucherstr\u00f6me ein, bestaunen die mittelalterlichen Stra\u00dfen und das wundersch\u00f6ne Kloster des \u201eHeiligen Michael\u201c auf dem Berg. P\u00fcnktlich zur Flut um 22:31 Uhr holt uns die Exodus am Mt. St. Michel ab. Vor den Augen hunderter schaulustiger Touristen, welche noch den Sonnenuntergang an der Sehensw\u00fcrdigkeit betrachten wollen, klettern wir an Bord. Unsere majest\u00e4tische Abfahrt in den Sonnenuntergang wird nur dadurch getr\u00fcbt, dass wir einen unserer Kimmkiele in unserem Kielwasser treibend entdecken und zwei extra Kringel drehen m\u00fcssen, um ihn wieder einzusammeln. Dies ist nicht weiter schlimm, die Kimmkiele sind mit einer Sollbruchstelle versehen, welche bei Belastung nachgibt und k\u00f6nnen einfach wieder befestigt werden, jedoch sind wir froh, dass die vielen Schaulustigen auf der Insel wohl keine Ahnung haben, welches Missgeschick uns da passiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nacht ist windstill und sternenklar, mit langsamer Fahrt unter Motor erreichen wir kurz nach Mitternacht unseren Zielhafen, Granville. Hier werden wir zwei Tage bleiben und die Exodus an die n\u00e4chste Crew \u00fcbergeben. Der vorletzte Tag bringt Aufr\u00e4umarbeiten, Putzarbeiten und einen entspannten Strandaufenthalt mit Wasserball. Am Abend 08.07. \u00fcbergeben wir die Exodus nach einem gemeinsamen Abendessen an die n\u00e4chste Crew und verbringen noch eine Nacht im Zelt auf dem Campingplatz, bevor wir uns mit dem Bus auf die Heimreise machen. <\/p>\n\n\n\n<p>425 Seemeilen sind wir gefahren, durch drei L\u00e4nder innerhalb und au\u00dferhalb Europas, haben mit 10 Personen \u00fcber 2 Wochen auf den 9,6 Metern Rumpf unserer Exodus verbracht und unser Schiff, Land und Leute und unsere Mitsegler kennen gelernt, von den vielen guten Seiten, wie auch gelegentlich von Seiten, die wir vielleicht lieber nicht kennen gelernt h\u00e4tten. Es bleibt die Erinnerung an ein spannendes Abenteuer, an Streit und Vers\u00f6hnung, an Geschichte und Kultur, an belebte H\u00e4fen und einsame Buchten, an Seekrankheit und euphorisches Gl\u00fcck und die Vorfreude auf den Luxus der eigenen 4 W\u00e4nde und auf die Abenteuer des n\u00e4chsten T\u00f6rns.<\/p>\n\n\n\n<p>Exodus Ahoi.<br>Chris, Co-Skipper<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die \u00dcberfahrt ist kurz, aber ruppig; unter<br \/>\nMotor und gegen Wind und Wellen k\u00e4mpft sich die EXODUS durch die Engstellen zwischen den<br \/>\nInseln. F\u00fcr einige von uns bedeutet dies 2 Stunden Kampf mit der Seekrankheit, f\u00fcr andere eine<br \/>\nkostenlose Achterbahnfahrt und den Anblick einer ganzen Schule Schweinswale (oder waren es doch<br \/>\nDelphine?), die unsere EXODUS neugierig umkreisen.&#8220;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/effa-segeln.de\/?p=458\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":479,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"templates\/template-full-width.php","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-458","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-freizeitberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/458","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=458"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/458\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":512,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/458\/revisions\/512"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/479"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=458"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=458"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/effa-segeln.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=458"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}