
Man nehme die EXODUS, ein sportliches Longboat „Tea for Two“, 14 abenteuerlustige Kids zwischen 9 und 15 Jahren, vier hochmotivierte Betreuer und eine Menge Wind, Wetter und Abenteuer. Fertig ist die Zutatenliste für den diesjährigen KSG-Kindertörn über das verlängerte Fronleichnam-Wochenende. Dass dieser Törn kein lauer Sommerbadetag werden würde, war uns schon beim Online-Vortreffen eine Woche vor dem Start klar. Die Wetteraussichten waren friesisch-herb, doch echte Segler aus Kleve kennen kein schlechtes Wetter, sie kennen nur die falsche Kleidung. Also wurden die Packlisten kurzerhand um Extra-Wollpullover, dicke Socken und zusätzliche Regenjacken erweitert – und wir haben sie alle gebraucht!
Am Donnerstagmorgen herrschte im Winterlager geschäftiges Treiben. Nach der Begrüßung durch Johanna unsere Skipperin, einem Kennenlernspiel mit Fabian dem Co-Skipper und dem traditionellen Reisesegen verabschiedeten wir die stolzen Eltern, besetzten die Autos und machten uns auf den Weg nach Heeg. Dort im Passantenhafen angekommen, wartete direkt die erste Team-Challenge: Eine menschliche Transportkette über die Nachbarboote hinweg, um tonnenweise Proviant und Gepäck trocken an Bord der EXODUS und in das riesige Rundzelt zu verfrachten. Hier musste wirklich jeder anpacken. Nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung durch Fabian und Moritz unserem Trainee wurden die Wachen eingeteilt und jede Gruppe bekam feste Aufgaben für das Segelcamp zugeteilt, vom Kochen bis zum Wechseln zwischen den Booten.
Am Nachmittag ging es direkt aufs Heeger Meer, um die Segelmanöver einzuüben. Bei frischem Wind der Stärke 5, in Böen sogar 6, und knackigen 12 Grad zeigte sich schnell, was in unseren Kids steckt. Da fast alle schon Optimist- oder Falken-Erfahrung mitbrachten, war das ruppige Wetter ein willkommenes Abenteuer und alle waren trotz der seglerischen Herausforderungen blendend gelaunt. Unser Ziel war die grüne Insel mitten im Heeger Meer. Nach dem erfolgreichen Anlegen hieß es erst einmal Holz spalten und Feuermachen an der vorgesehenen Feuerstelle. Das anschließende Grillen von Frikadellen, Würstchen und Marshmallows war der absolute Hit und schmeckte nach der kalten Brise doppelt so gut. Weil Segler scheinbar unendliche Energie besitzen, wurde direkt noch ein spontanes Fußballmatch gegen eine niederländische Bootsbesatzung auf der Insel angezettelt, das mit großem Eifer und Körpereinsatz ausgetragen wurde.


Zurück im Hafen ging es unter Motor an den Bootssteg. Nach einer kleinen Herausforderung beim Säubern der torfigen Erde von den Schuhen krochen alle platt, aber glücklich, in die warme Kajüte der EXODUS. Bei voll aufgedrehter Heizung spielten wir mit der gesamten 18-köpfigen Besatzung eine epische Runde „Werwolf“. Schön eng, warm und gemütlich ging der erste Tag bei verschiedenen Tees zu Ende. Während die Zelt-Crew sich mit Wärmflaschen gegen die Kälte rüstete, summte auf dem Boot die Heizung auf Stufe 3 – die erste Nacht war gerettet.
Der Freitagmorgen weckte uns mit noch rauerem Wind. Da die Gefahr einer Unterkühlung auf dem offenen Longboat zu groß gewesen wäre, entschieden die Skipper schweres Herzens, dass „Tea for Two“ heute im sicheren Hafen bleiben muss. Doch Plan B funktionierte perfekt: Die EXODUS machte sich unter der Führung von Fabian und Moritz mit neun Kids auf den Weg nach Oudega. Die restliche Truppe räumte in der Zwischenzeit das Gemeinschaftshaus auf, spielte eine Runde „Mogelmotte“ und reiste anschließend per Auto hinterher, um den Ort zu erkunden. Als die EXODUS um 14 Uhr im Hafen von Oudega einlief, formierte sich die Land-Crew am Steg zu einem spontan einstudierten, super lustigen Begrüßungstanz. Nach einem stärkenden Mittagsimbiss mit Quarkspeise und karamellisierten Haferflocken stand das absolute Highlight des Tages an: Das von Fabian reservierte Katzencafé! Hier durften die Kids ausgiebig viele verschiedene Rassekatzen streicheln, die alle einen eigenen Namen und eine eigene Identity-Card besaßen. Ein toller Kuschelkurs als Pause vom windigen Segelalltag.


Für die Rückfahrt nach Heeg wurden die Mannschaften getauscht, sodass jeder mal in den Genuss des Schiffes kam. Zurück im Hafen verwandelte sich das Gemeinschaftshaus am Abend in eine regelrechte Wrap-Party. Da wir den Raum mittlerweile mit anderen Segelvereinigungen teilen mussten, bauten wir ein Buffet zur Selbstbedienung auf. Die leicht angebratenen, warmen Weizenfladen mit selbstgemachter Taco-Sauce und frischem Gemüse wurden mit riesigem Appetit verspeist und es entstand eine großartige Party-Atmosphäre. Wer dachte, die Kids wären danach müde, wurde beim anschließenden Fußballspiel auf dem Spielplatz und dem extrem abgehärteten „Eisschwimmen“ von drei Jungs am Strand eines Besseren belehrt. Der krönende und beruhigende Abschluss des Tages war natürlich wieder eine spannende Werwolf-Runde in der engen, warmen Kajüte.


Am Samstag hieß es im Hafen erst einmal zusammenrücken, denn mittlerweile lagen drei große Gruppen am Steg und überall hingen nasse Segelkleidungen herum. Unser Ziel für heute war die historische Stadt Sloten. Der Wind blies uns beim Ablegen wieder frisch mit Stärke 5 bis 6 um die Ohren, und der Wechsel zwischen dem Segeln im Kanal und auf dem offenen Slotener Meer war deutlich spürbar. Unterwegs erlebten wir hautnah, wie wichtig unsere Sicherheitsunterweisung war: Direkt vor uns ging bei einer fremden Falken-Besatzung ein Mann über Bord! Die Crew unseres Longboats reagierte blitzschnell und war bereits bereit, den Rettungskragen zu werfen, als die betroffene Besatzung ihren Skipper glücklicherweise selbst aus dem Wasser fischen konnte. Für unsere Kids ein echter Schock- und Lehrmoment, denn der Mann trug im Gegensatz zu uns absolut keine Schwimmweste. Alle lernten danach umso begieriger die Handgriffe und Kniffe des Segelns.


In Sloten angekommen, machten wir die Schiffe an der Uferkante fest und starteten ein von Fabian ausgearbeitetes Stadtrallye. Aufgeteilt in die drei Wachen zogen die Kids los, um knifflige Aufgaben zu lösen und alles mit lustigen Fotos zu dokumentieren. Die Brückenschließzeit im Nacken, segelten wir am späten Nachmittag im Eiltempo zurück nach Heeg. Der Abend brachte eine kleine Lektion in Sachen Teamgeist, als die Diskussion um die freiwillige Mithilfe beim Abwasch contra Fußballspielen und Schwimmen entbrannte. Nach ein paar klärenden Einzelgesprächen siegte die Einsicht: Je größer die Gruppe, desto mehr müssen alle anpacken. Gemeinsam wurde die leckere Pizzasuppe vorbereitet, der Abwasch gerockt und in der abendlichen Gesprächsrunde wurden kleine Anpassungen an den Wachen für den nächsten Tag beschlossen, was die Kids dank alter Freundschaften ohne Einwände akzeptierten. Der Tag endete traditionsgemäß mit einer packenden Werwolf-Runde, bevor um 23 Uhr Nachtruhe einkehrte.


Der Sonntag brach an und stand ganz im Zeichen der großen Abreise. Während die EXODUS unter Johanna und Moritz direkt Kurs auf den Industriehafen in Workum – unseren Liegeplatz für 2026 – nahm, bauten Fabian und Jutta mit der restlichen Truppe in Heeg das Zelt ab, machten den Abwasch und packten den Anhänger von Leo voll. Dank eines perfekt vorausgeplanten Autotransports trafen alle pünktlich in Workum ein, wo die EXODUS bereits sicher am Steg lag. Das Anlegen bei starkem Seitenwind hatte zuvor das ganze Können der Skipper abverlangt und drei Anläufe gebraucht, bis das Schiff fest verzurrt war. Nach einer letzten Kuchenpause im Hafen versammelten wir uns für die traditionelle Abschlussrunde, bei der jedes Kind ein Wort nennen durfte, das es wie einen Schatz in Erinnerung behalten möchte. Die bunten Antworten reichten von „nassen Schuhen“ und „Helmut“ über „Aktion“ und „Werwolf“ bis hin zu „Zelt“ und schlicht „Segeln“.


Bevor es endgültig zurück nach Kleve ging, gab es noch einen gemeinsamen Boxenstopp an einer Pommesbude bei Lemmer, bei dem auch die zur Abholung angereisten Eltern dazustießen. Um 17.30 Uhr im Winterlager angekommen, wurden die letzten Fundstücke verteilt, die Eltern begrüßt und das große Rundzelt zum Trocknen in der großen Halle aufgehängt. Vier Tage voller Wind, Kälte und seglerischer Herausforderungen haben aus den Kids eine bärenstarke Crew geformt und gezeigt, wie vielseitig und verbindend die Kooperation zwischen dem Team Exodus und der KSG ist. Ein riesiges Dankeschön an alle Kids, die bewiesen haben, dass echter Segelgeist im Herzen wärmt – selbst bei 6 Grad im Zelt!