Am Samstagmorgen, den 1. August, stand wieder einmal der alte rote Bulli vor dem Effa in Kleve, um seine Reise mit einer neuen Exodus-Crew anzutreten. Nach dem Reisesegen hieß es: Ab nach Le Havre, wo die Crew des ersten Törns das Schiff hingesegelt hatte. Zwischendurch konnte sich die Gruppe bereits bei einer Pause mit einigen Spielen besser kennenlernen. Nach einem gemeinsamen Essen mit Sommertörn 1 und dem anschließenden Einstauen konnte die gemeinsame Planung für die nächsten Tage gemacht werden.
Am nächsten Tag ging es früh los und mit Vollzeug in Richtung Cherbourg. Dabei haben wir wohl die Aufmerksamkeit von Delfinen auf uns gezogen, die am Abend neben unserem Boot geschwommen sind. Für viele von uns war es das allererste Mal, dass wir die Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen haben, daher war es für uns wirklich ein magischer Moment. Am Abend kamen wir dann nach einem wunderbaren Segeltag im Hafen von Cherbourg an.
Die Gezeitenkalkulation ergab, dass wir am Montag gegen frühen Nachmittag weiterfahren mussten, somit konnten wir den Vormittag noch in Cherbourg verbringen und uns die Stadt und einen Teil der „Cité de la Mer“, einem Meeresmuseum, anschauen. Danach hieß es ablegen und mit der Strömung zur Kanalinsel Alderney. Vor Alderney erlitten wir beinahe einen „Geschwindigkeitsrausch“, weil wir zwischenzeitlich über 11 Knoten (ca. 20 km/h) schnell gefahren sind! Bei Alderney angekommen fuhren wir zuerst in eine kleine von Felsen umrahmte Bucht. Dort ankerten wir, um uns etwas abzukühlen und mit dem Dinghi zum Strand zu fahren. Später ging es dann kurz weiter in den Hafen der Insel, wo wir die Nacht verbracht haben.
Von den Einheimischen bekamen wir den Tipp, dass am nächsten Tag das größte Event der Insel direkt am Hafen stattfindet. Die Alderneyer trugen einen Wettkampf aus, darüber, wer am weitesten von einer Klippe fliegen kann. Dabei wurde mit Regenschirmen, Flamingo-Kostümen und Mini-Gleitern versucht, möglichst weit zu kommen, sehr zu unserem Vergnügen und dem der anderen Zuschauenden. Nach dem Ende des Spektakels beschlossen wir, die Insel noch weiter zu erkunden. Wir sind dann also Richtung eines Forts gelaufen und konnten dort so manchen unterirdischen Gang finden. Am Abend ging es dann weiter zur nächsten Insel Guernsey.
Am nächsten Morgen konnten wir dann diese Insel unsicher machen. Zuerst ging es in das am Hafen gelegene Fort mit Museum, wo jeden Mittag genau um 12 Uhr eine echte Kanone abgefeuert wird. Das Museum zeigte uns die wechselvolle Geschichte der Insel. Später gingen wir vom Fort weiter in Richtung Stadt und nach einer Runde Pommes weiter in ein Gezeitenschwimmbad an der Küste der Insel, wo wir alle eine Runde schwimmen konnten. Abends spielten wir noch eine Runde Wikingerschach (auf einer Verkehrsinsel).
Donnerstag ging es dann wieder einmal früh los und bei Toppsegelwetter rüber Richtung England. Trotz Wellengang und Schräglage gab es für die Crew leckeres Essen, auch wenn es einigen wegen Seekrankheit nicht so gut erging. An diesem Tag segelten wir sogar bis in die Nacht hinein und kamen gegen 2:30 Uhr an den bekannten „Needles“-Kreidefelsen vorbei und machten kurz danach auf der Isle of Wight in Yarmouth fest.
Am Freitag haben wir uns dazu entschieden, nach der Nachtfahrt erstmal einen Landtag zu machen. Die Isle of Wight hat mit ihren vielen Naturschutzgebieten sowieso sehr viel zu bieten. Wir sind also zu einer Wanderung am Yar-River aufgebrochen. Später ging es dann noch hoch auf die Kreideklippen. Dabei ließen es sich die Skipper nicht nehmen, ein kleines Wettrennen zu veranstalten, sehr zum Erstaunen einiger ortsansässigen Rinder. Oben am Gipfel angekommen haben wir noch einige Gruppenspiele gespielt und natürlich die großartige Aussicht genossen. Später ging es dann durch den Wald wieder zurück zum Schiff und schon war der Freitag wieder vorbei.
Samstag heißt Bergfest auf einem Sommertörn! Wir haben also morgens noch einmal lecker für unser Mahl eingekauft und dann ging es gegen Mittag raus auf den Solent. Heute hieß es: Manöver fahren! Dabei konnte jeder einmal eine Wende und Halse an den verschiedenen Positionen fahren. Währenddessen fuhren neben uns zwei „Mini-Exodus“ Boote, die auch rote Segel hatten. Nach den Manövern nahmen wir Kurs auf dem kleinen Newtown River, wo wir die Nacht verbringen wollten. Am Abend gab es dann lecker Wraps und danach konnten wir noch eine Runde schwimmen und/oder Dinghi-Segeln. Mit ein paar Runden „Bang“ und „Werwolf“ in der Nacht war unser Bergfest rundum gelungen!
Am nächsten Tag ging es über den Solent nach Portsmouth. Dort war unser Ziel das große Marinemuseum am Hafen. Mit der Fähre ging es rüber in die Stadt und weiter auf das große Museumsgelände mit der „Viktory“, „Warrior“ und weiteren historischen Schiffen. Die „Viktory“ ist mit ihren über 250 Jahren eines der ältesten aktiven Schiffe der Welt. Deswegen waren wir alle sehr fasziniert, als wir das große alte Schiff zum ersten Mal von Innen besichtigen konnten. Nach dem Museum machten wir noch einen kleinen Stadtspaziergang und dann ging es wieder zurück zum Schiff, da wir in der folgenden Nacht eine Nachtfahrt machen mussten.
Bei dieser Nachtfahrt konnten wir sogar segeln, aber natürlich ist eine solche Fahrt immer mit erhöhter Aufmerksamkeit verbunden. Die Fahrt konnten wir aber ohne große Probleme meistern und als dann am Morgen die bekannten „seven Sisters“ vor uns in Sicht kamen, war auch unsere Müdigkeit wie verflogen. Das Wetter und die Wellen waren ruhig und so haben wir uns kurzerhand entschieden, eine Runde Fenderreiten zu machen. An dieser Location war das sehr wahrscheinlich ein „Once in a Lifetime“-Moment, wir waren also sehr dankbar für diese Erfahrung. Später machten wir dann im Hafen von Eastbourne fest und ließen den Tag mit leckerem Essen ausklingen.
Am Dienstag war Landtag angesagt, denn nach der langen Fahrt ist so ein bisschen Ruhe schon wichtig. Unser Co-Skipper Fabian nutzte diesen Tag, um die verschiedenen Möglichkeiten für die nächsten Tage auszurechnen. Die anderen Crewmitglieder nutzten den Tag, um den Ort ein wenig zu erkunden. Abends stellte dann Fabian die verschiedenen Varianten vor und wir entschieden gemeinsam, am nächsten Tag wieder über den Ärmelkanal zurück nach Frankreich zu fahren.
Um 7 Uhr morgens ging es durch die Schleuse wieder raus auf den Ärmelkanal und nach 2 Stunden gegen die Wellen anmotoren konnten wir Kurs auf die Somme-Mündung nehmen, all unsere Segel setzen und wieder über „La Manche“ fahren. Ein richtiges Highlight erwartete uns heute: Die partielle Sonnenfinsternis! Vorher bauten wir uns noch aus Apfelsaftkarton und Ofenrohr Lochkameras, um das Schauspiel verfolgen zu können. Außerdem hatten wir noch unseren Sextanten mit Sonnenschutzgläsern. Als es dann losging, war es wirklich magisch! Es war wie ein Sonnenuntergang, aber die Sonne stand noch oben am Himmel. Wir konnten auch noch bis an den Beginn der Mündung segeln, doch danach mussten wir die Tonnen zum Hafen in der Dunkelheit suchen. Dabei mussten wir sehr intensiv zusammenarbeiten, um den Weg zum Hafen zu finden. Unser Teamwork hat gut geklappt und wir sind sicher im Hafen von Saint-Valery-sur-Somme angekommen.
Als unser Co-Skipper am nächsten Morgen den Liegeplatz bezahlte, glaubte die Hafenmeisterin kaum, dass wir nachts durch den Fluss gekommen sind. Nach dem Frühstück sind wir ein wenig durch das schnuckelige Städtchen gegangen und haben sehr das französische Ambiente genossen, inklusive einer leckeren Croissant- und Baguette-Mahlzeit. An diesem Tag mussten wir jedoch früh in die Koje gehen, da in der nächsten Nacht unsere letzte Fahrt zum Zielhafen anstand.
Um 1 Uhr nachts ging es wieder los, raus aus dem Fluss und Kurs Nord nach Boulogne-sur-Mer. Unser letzter Tag auf See belohnte uns noch mit einem wunderschönen Sonnenaufgang über den Hügeln Frankreichs. Am Morgen kamen wir dann wohlbehalten im Hafen von Boulogne an und gingen erstmal noch einmal in die „Horcherei“ (Unser Törnslang für die Koje). Am Nachmittag besuchten wir noch die Innenstadt mit dem großen Dom und der Stadtmauer. In einem kleinen Park hatten wir dann noch ein bisschen Zeit Spiele zu spielen und über den Törn zu reflektieren. Außerdem schnabulierten wir alle noch ein sehr leckeres Eis, aber wir waren natürlich auch ein bisschen traurig, dass der Törn nun bald vorbei sein wird.
Der letzte Tag des Sommertörns brach an und es wartete eine Menge Arbeit auf uns. Der Kahn musste vom Deck bis zur Bilge geputzt werden. Zusätzlich mussten alle Polster abgezogen und unsere Sachen rausgeräumt werden. Durch gute Planung und Teamwork war aber das Putzen schnell erledigt und nach dem Kochen warteten wir auf den nächsten Törn. Nach einer gemeinsamen Mahlzeit und einem Abschlussfoto ging es dann für uns wieder mit dem alten roten Bulli heimwärts nach Kleve, wo wir alle wohlbehalten, aber ein bisschen traurig angekommen sind.
Und das war unser Törn! Ein wahrlich schöner war es, mit super Segelwetter, vielen Aktivitäten und natürlich einer großartigen Crew!
